GDL-Streik: "Für die volle Durchsetzung Eurer Forderungen!"
[Druckversion] Thema: Arbeitskämpfe, Bahn für alle statt Börsenwahn!, veröffentlicht: 11.10.2007
SAV-Solidaritätsflugblatt mit den streikenden LokführerInnen
[ pdf-Version
des Flugblatts
der SAV]
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Euer Streik ist in eine neue Runde gegangen, und wir wünschen Euch
viel Erfolg!
Die komplette Bestreikung des Nah- und Regionalverkehrs ist genau die
richtige Antwort auf die Haltung von Mehdorn und sollte fortgesetzt
werden. Dem Bahnmanagement muss deutlich gemacht werden, dass Ihr Euch
nicht mit faulen Kompromissen abspeisen lasst, und es um die volle
Durchsetzung der Forderungen geht.
Auch wenn in den Medien momentan meist versucht wird, Euren Kampf als
isoliert darzustellen, gibt es in Wirklichkeit viele Sympathien. Selbst
Spiegel online berichtete am 3. Oktober, dass an der Basis von Transnet
und GDBA die Zustimmung für die Lokführer wächt. Ein Transnet-Mitglied
wird zitiert, er finde das Verhalten der Bahn „zum Kotzen“, und dass das
Streikrecht sei ein hohes Gut, das nicht einfach per Gerichtsbeschluss
gekappt werden dürfe. Ein verbeamteter Kollege wird ebenfalls zitiert:
„Offensichtlich verlangt man von uns, dass wir Streikbrecher spielen.
Dazu werde ich mich aber nicht hergeben.“
Die Urteile der Arbeitsgerichte Nürnberg und Chemnitz sind ein Skandal.
Gerade die Chemnitzer Verfügung macht deutlich, dass es mit einem Verbot
der Bestreikung des Güterverkehrs vor allem darum geht, Schaden für die
Profite von Konzernen zu vermeiden. Es ist richtig, dieses Urteil auch
über den Weg höherer Instanzen herauszufordern. Gleichzeitig kann man
sich aber nicht darauf verlassen, dass dies erfolgreich ist und dass
eine Rücknahme des Verbots zeitnah passiert. Daher muss auch diskutiert
werden, dass es unter Umständen notwendig sein kann, die Streikverbote
durch praktisches Handeln außer Kraft zu setzen. Hier muss verstärkt
praktische Solidarität durch die DGB Gewerkschaften eingefordert werden,
denn dies ist ein Angriff auf das Streikrecht aller.
Die bisherigen Äußerungen von DGB Chef Sommer sind keine Unterstützung.
Während er zwar den Angriff auf das Streikrecht anprangert, fällt er
gleichzeitig den Streikenden in den Rücken. Seiner Meinung nach scheint
die Verantwortung für die Streikverbote bei Schell und nicht beim
Bahnmanagement zu liegen. Anstatt solcher Äußerungen muss eine breite
Solidaritätskampagne innerhalb des DGB gestartet werden.
Gewerkschaftslinke haben damit begonnen. Es gibt eine Solierklärung vom
IG Metall Bezirk Stuttgart, der bisher von 110 KollegInnen unterzeichnet
wurde und weiter verbreitet wird.
Euer Streik ist beispielhaft auch für viele andere Kolleginnen und
Kollegen in anderen Bereichen. Viele unterstützen Euch deshalb, weil sie
auch Eurer Meinung sind: lange genug hat es Reallohnverluste,
Personalabbau und Steigerung der Arbeitshetze gegeben. Es ist Zeit
wieder in die Offensive zu kommen. Auch für die KollegInnen bei Transnet
und GDBA würde ein Erfolg von Euch bedeuten, dass sie etwas besseres
herausholen können. Der Abschluss von 4,5% bedeutet auf 19 Monate
gerechnet nicht viel mehr als Inflationsausgleich. Wenn Ihr ein besseres
Ergebnis erkämpft, kann der von Transnet und GDBA abgeschlossene
Tarifvertrag nachverhandelt werden. So steht es im Abschluss. Auf dieser
Basis können die KollegInnen, die bei Transnet und GDBA organisiert
sind, zur Unterstützung aufgefordert werden.
Das Verhalten des Bahn Managements hat gezeigt, dass man sie nur mit
konsequenten Streikmaßnahmen „überzeugen“ kann. Die beste Taktik ist
unbefristeter Vollstreik, im Nahverkehr, und sobald als möglich auch im
Fern und Güterverkehr! Über Ergebnisse und Streiktaktik sollten immer
die streikenden Kolleginnen und Kollegen an der Basis das Sagen haben.
Dafür sind Streikversammlungen und die Wahl lokaler Streikleitungen von
zentraler Bedeutung. So sollte auch sichergestellt werden, dass es
keinen Abschluss ohne Diskussion und Urabstimmung und auch keinen
Streikabbruch vor einer Urabstimmung geben darf!
Wir wünschen Euch, dass Ihr Eure Forderungen erreicht und bieten Euch
unsere Unterstützung an. Wir werden uns einsetzen, Eure Sache bekannt zu
machen und praktische Solidarität zu organisieren.
Regierungspläne am Wackeln – Privatisierung jetzt kippen
Privatisierung der Bahn bedeutet nichts anderes als Ausverkauf von
Gemeineigentum. Das Beispiel Großbritannien zeigt, was eine
Bahnprivatisierung in der Praxis bedeutet. Profit geht vor Service und
Sicherheit. Schon mehrmals hat es tragische Unfälle mit mehreren
Todesopfern gegeben – weil nicht in die Instandhaltung der Gleise
investiert wurde oder weil das Personal übermüdet war.
Wie man bei der Telekom sehen kann, bedeutet Privatisierung auch
massive Verschlechterungen für die Beschäftigten – Lohnkürzungen,
Personalabbau und schlechtere Arbeitsbedingungen.
Doch die Pläne sind jetzt durch die Uneinigkeit zwischen Ländern und
Bund und innerhalb der SPD im Ungewissen. Dies ist eine Chance, die beim
Schopf gepackt werden muss! Um zu erreichen, dass die Pläne ganz
zurückgenommen werden, ist eine breite Bewegung gegen Privatisierung
notwendig, durch den Druck von Beschäftigten und von der Straße.
Die Verteidigung und Verbesserung von Bezahlung und
Arbeitsbedingungen kann nur erfolgreich sein, wenn sie mit dem Kampf
gegen die Privatisierung verbunden werden. Hier können sich die
Beschäftigten auch auf eine breite Mehrheit in der Bevölkerung stützen,
denn laut Umfragen sind zwei Drittel dafür, dass die Bahn in
Staatseigentum bleibt. Wir denken, es wäre ein enormer Vorteil, wenn die
GDL eine eindeutige Position gegen jegliche Privatisierung der Bahn
einnimmt und dies jetzt in die Forderungen mit aufnehmen würde.
Mit Flugblättern, die auf Eure Situation aufmerksam machen und gegen
die Privatisierungspläne argumentieren, könnten BahnkundInnen während
der Streiktage offensiv angesprochen werden. Aktionen wie
Unterschriftensammlungen und Protestversammlungen vor den Bahnhöfen
bieten sich an, um die Solidarität der Bevölkerung zu gewinnen.
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