Berlin: GDL-Streik - Ein voller Erfolg
[Druckversion] Thema: Arbeitskämpfe, Bahn für alle statt Börsenwahn!, Berliner Bezirksverordnete, veröffentlicht: 12.10.2007
Heute Nacht ab 2 Uhr legten die Lokführer der GDL im Nah- und
Regionalverkehr für 22 Stunden die Arbeit nieder. Die Berliner SAV war
am Ostbahnhof vor Ort, um sie dabei zu unterstützen.
von Anne Engelhardt, Berlin
Bis 0 Uhr soll der Streik diesmal andauern. Das Bahnmanagement weigert
sich weiterhin die Forderungen der Lokführer nach höheren Löhnen
ernsthaft entgegenzukommen. Stattdessen werden Gerichte herangezogen,
die die juristisch rechtmäßigen Streikaktionen einschränken bzw. sie
komplett verbieten sollen. Streik ist die richtige Reaktion auf die
Vorgehensweise von Mehdorn und Co.
Die Bahnhofshalle im Ostbahnhof ist für diese Zeit verhältnismäßig
ruhig. Auf der Suche nach streikenden Beschäftigten treffen wir einen
Kollegen an, mit dem wir eine Woche zuvor beim GDL-Streik diskutiert
hatten. Aufgeschlossen berichtet er uns, dass es laut
GDL-Geschäftsführung in der Nacht nach Streikbeginn Drohungen auf
Streikbeteiligte gab. Die Streikenden wurden daher aufgefordert in den
Meldestellen zu bleiben und keine Streikposten zu bilden.
„Nur noch 20 % der Züge fahren“, teilt uns einer der streikenden
S-Bahnfahrer in Berlin-Ostbahnhof zufrieden mit. Im Notfallplan der
Geschäftsführung war vorgesehen gewesen, die Stadtbahn wenigstens im 20
Minutentakt abfertigen zu können. Doch nichtmal alle halbe Stunde rollt
ein Zug an, der die wenigen, übriggebliebenen Passagiere transportiert.
Die Beschäftigten sind zurecht stolz auf ihren Streik. Die Kollegen
werden nicht erst vereinzelt aus ihren Bahnen geholt oder müssen erst
den nächsten Bahnhof anfahren, um mit dem Streiken anzufangen. Da die
Arbeit schon in der Nacht niedergelegt wurde und die Züge in den Depots
stehen, ist ein kollektiver Streikbeginn möglich. Einige Lokführer haben
sogar die Nacht durchgemacht und nutzen auch ihre Freizeit, um den
Streik zu unterstützen.
Der Erfolg der Arbeitsniederlegung ist offensichtlich und motivierend.
Leider wird die Gelegenheit verpasst, Bahnkunden und Beschäftigte durch
öffentliche Aktionen wie die Bildung von Streikposten mit Transparenten
oder Flugblattverteilungen zu erreichen. Denn letztendlich kann ein
Erfolg nur durch die Unterstützung der Bahnpassagiere - und aller
Beschäftigten - erreicht werden. In der Meldestelle, d.h. in
geschlossenen Büroräumen soll auf Grund der Drohungen und Übergriffe
verharrt werden. Dabei wäre es sinnvoll, wenn die GDLer in Gruppen auf
oder vor den Bahnhöfen vor Ort sein würden und sich an die Betroffenen
wenden.
Mehdorn kündigte an, bis zum Montag ein neues Verhandlungsangebot
vorzulegen. Der Bahnchef fordert von der GDL eine Friedenspflicht
während erneuter Verhandlungen. Das kann nur als eine weitere
Provokation gewertet werden und sollte von der GDL zurückgewiesen
werden. Denn nur unter dem Druck weiterer Protest- und Streikaktionen im
gesamten Nah- und Regionalverkehr können die Verhandlungen zu einem
Erfolg führen.
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