Tonträger statt Baseballschläger – Mit Rechtsrock fürs Vaterland
[Druckversion] Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung, Nr. 63, November 07, Rassismus, Faschismus, Nationalismus, veröffentlicht: 18.11.2007
Mit „Faschorock“ sollen Jugendliche für Neonazis gewonnen werden
„Faschorock“ – hinter diesem Synonym sammeln sich eine Fülle von
Genres und Bands, die rassistisches und antisemitisches Gedankengut
vermitteln. Seit über zehn Jahren ist rechtsextreme Rockmusik im Aufwind.
von Maik Schilling, Leipzig
Rechtsrock-Bands und rechte Liedermacher sind oft Bestandteil von
neonazistischen Demonstrationen und Veranstaltungen. Gruppen wie
Faustrecht aus dem Allgäu treten in ganz Europa auf. Der Verkauf von CDs
und der Handel mit indizierten Songs über rechte Homepages bilden einen
millionenschweren Markt.
Die NPD versuchte, mittels verschiedener Sampler auf einer CD an
Schulhöfen Wahlkampf zu betreiben und Jugendliche für sich einzunehmen.
Von Herrschenden begünstigte Entwicklungen
Bildete zu Beginn der achtziger Jahre noch Skinhead-Punk den
Schwerpunkt, gibt es mittlerweile rechte Gruppen in verschiedensten
Bereichen wie zum Beispiel Dark Wave, Hardcore, Black Metal und sogar im
Techno und Hip Hop. Überregional organisierte Netzwerke wie die Blood &
Honour Division stoßen seit der faktischen Abschaffung des Asylrechts im
Juni 1993 auf fruchtbaren Boden, um ihre Hetze gegen MigrantInnen zu
betreiben. Erst nach dem Brandanschlag von Solingen wurde Rechtsrock
überhaupt erstmals zur „Unkultur“ erklärt.
Kein reines Ost-Phänomen
Anfangs haftete vermehrt den neuen Bundesländern der Ruf von Hochburgen
für Nazi-Bands an, obwohl diese im gesamten Bundesgebiet zu finden sind.
In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr Rechtsrock-Bands als in Sachsen, die
beiden Marktführenden Labels Rock O Rama und das heute als
VGR-Multimedia auftretende ehemalige Rechtsrock-Reich des Düsseldorfers
Torsten Lemmer haben hier ihre Ursprünge. Allein im Raum Düsseldorf gibt
es etwa 20 Bands, darunter die drei bekannten Reichswehr, Barking Dogs
und Oidoxie. Auch die bayrische Musikszene boomt, viele Bands treten
grenzübergreifend auch in Österreich und der Schweiz auf.
Musiklabels und Kleidungsläden
Eng verzahnt mit den Musiklabels arbeiten auch einige Kleidungsmarken.
Um sich öffentlich zu tarnen, lassen immer mehr Neonazis den alten
martialischen Skinheadlook beiseite und suchen sich neue, diskretere und
modischere Kleidungsstile. Eine der Marken, die innerhalb der deutschen
Nazi-Szene in diesem Sektor boomt, ist Thor Steinar aus Königs
Wusterhausen. Von Nazis für Nazis vertreibt diese rassistische und
nationalsozialistische Motive auf ihren Kleidungsstücken und verzeichnet
immer mehr Neueröffnungen, aktuell in Magdeburg und Leipzig. Während die
Stadtverwaltungen meist beide Augen zudrücken, avancieren die Geschäfte
neben dem Verkauf zu Treffpunkten für alle ansässigen Neonazis und
helfen damit der Szene, sich lokal zu organisieren und zu etablieren.
Was tun?
Da rechtsextremes Gedankengut insbesondere dort Anklang findet, wo es
durch Hartz IV sowie Schließungen von Betrieben, Jugendclubs und
Kultureinrichtungen keine Perspektiven gibt, ist es dringende Aufgabe
von Gewerkschaften, antifaschis-tischen Organisationen und der Partei
DIE LINKE mit politischen und kulturellen Angeboten eben diese
aufzuzeigen und somit eine Alternative zu rassistischen Chauvinismus und
antisemitischer Hetze zu schaffen.
Obwohl die Nazis sich gegen das System äußern (es aber nicht bekämpfen)
und versuchen, sich zur Tarnung mit dem Mantel einer scheinbar modernen
und hippen Jugendkultur zu kleiden, sind gerade NPD und freie
Kameradschaften die heftigsten Feinde einer lebendigen und kritischen
Jugendkultur.
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