Bahn-Streik: Mit Volldampf zum Ziel
[Druckversion] Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung, Nr. 63, November 07, Bahn für alle statt Börsenwahn!, Arbeitskämpfe, veröffentlicht: 02.11.2007
Lokführer von allen Seiten unter Beschuss – wie kann der Kampf
erfolgreich sein?
[Unterschriftenaktion
der SAV]
Mit ungeheurer Härte geht das Bahn-Management gegen die Streikenden
vor, bis hin zu fristlosen Kündigungen streikender KollegInnen. Ein
Erfolg der Lokführer wäre ein positives Beispiel für alle von Lohn- und
Sozialraub Betroffenen, endlich aus der Defensive zu kommen.
von Angelika Teweleit, Berlin
Trotz Medienhetze und fehlender Unterstützung durch die Führung der
DGB-Gewerkschaften ist die Sympathie in der Bevölkerung hoch. Damit das
so bleibt, muss der Streik sichtbar gemacht werden. Nötig ist
aufzuzeigen, dass die Forderungen berechtigt sind. Und dass die
Lohnspirale nach unten nur aufgehalten werden kann, wenn sich das
allgemeine Gehaltsniveau nicht weiter verschlechtert, sondern eine
Gegenentwicklung eingeleitet wird.
Um Druck auf die DGB-Spitzen aufzubauen, die GDL zu unterstützen,
sollten in allen Betrieben und Gewerkschaften Anträge zur
Streik-Unterstützung verabschiedet werden.
Zwei Drittel in der Bevölkerung sind gegen den Verkauf der Bahn. Eine
Niederlage der Lokführer würde es den Herrschenden einfacher machen, die
Privatisierung durchzuziehen. Der Streik sollte also genutzt werden,
auch den Kampf gegen die Bahn-Privatisierung auszuweiten.
Solidarität unter Bahn-Beschäftigten nötig
Ein besserer Abschluss für die Lokführer würde bedeuten, dass auch die
anderen Bahn-Beschäftigten nachverhandeln könnten. Eine entsprechende
Klausel gibt es im Abschluss von Transnet und GDBA. Das muss mehr als
bisher bekannt gemacht werden – um den Schulterschluss zwischen den
Mitgliedern von GDL, Transnet und GDBA zu sichern.
Viele KollegInnen an der Basis sind unzufrieden mit der Haltung von
Transnet-Chef Norbert Hansen, der sich für die Privatisierung
ausspricht. Aus gutem Grund. Das Beispiel Telekom zeigt, was dann droht.
Die anderen Bahn-Beschäftigten könnten besser erreicht werden, wenn die
GDL den Streik offensiv mit der Forderung nach einem Stopp der
Privatisierung verbinden würde.
Arbeitskampf steigern
Ein Streik des Güterverkehrs würde die Profite der Großkonzerne massiv
treffen. Gerechnet wird mit Einbußen für die Industrie von täglich einer
halben Milliarde Euro. So könnte enormer ökonomischer Druck erzeugt
werden. Falls das Verbot im Güterverkehr aufgehoben wird (die
Gerichtsentscheidung ist am 2. November, also nach Redaktionsschluss),
muss die Möglichkeit für einen Vollstreik unmittelbar genutzt werden!
Sollte den Lokführern weiter untersagt bleiben, Güter- und Fernverkehr
zu bestreiken, muss ein unbefristeter Streik im Nahverkehr begonnen
werden. Auch damit könnte das öffentliche Leben stark beeinträchtigt
werden. Für die KollegInnen in anderen Bereichen, die auf den
öffentlichen Verkehr angewiesen sind, wäre das trotz der
Beeinträchtigungen besser, als über Wochen und Monate immer wieder aufs
Neue mit einem Ausstand des Bahnverkehrs konfrontiert zu sein.
In Verbindung mit einem Vollstreik würde sich anbieten, Demonstrationen
der Streikenden, gemeinsam mit UnterstützerInnen, zu organisieren – um
die Anliegen des Arbeitskampfes zu verbreiten und gleichzeitig die
eigene Stärke zu erfassen.
Für die demokratische Kontrolle von unten ist auch die Durchführung von
Streikversammlungen geboten. Über einen Abschluss und ein Ende des
Streiks müssen die Streikenden selbst befinden können.
Streikrecht verteidigen
Was, wenn es weitere Streikverbote gibt? Dann ist der DGB in der
Pflicht, zu reagieren! Verbale Kritik wie von DGB-Chef Michael Sommer
bisher, der sich gleichzeitig gegen die GDL stellt, reicht nicht.
Wenn uns das Recht auf Streik genommen werden soll, dann müssen wir es
uns nehmen! Im Kampf gegen die Einschränkung des Streikrechts und im
Widerstand gegen die Privatisierung muss die Forderung nach politischem
Streik, wie Oskar Lafontaine sie aufgeworfen hat, auf die Tagesordnung
kommen.
Angelika Teweleit ist Mitglied der SAV-Bundesleitung
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