Lokführer-Streik: Sie haben Recht!
[Druckversion] Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung, Nr. 63, November 07, Bahn für alle statt Börsenwahn!, Arbeitskämpfe, veröffentlicht: 01.11.2007
Streikende brauchen unsere volle Unterstützung
Mit ihren Streiks für 2.500 Euro Bruttolohn und für eine Stunde
Arbeitszeitverkürzung zeigen die Lokführer, wie wir der Politik von
Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerungen etwas entgegensetzen können.
von Eckhard Geitz, Kassel
Bei der GDL-Gewerkschaft handle es sich um Egoisten, heißt es.
Von Mehdorn – der mit 3,2 Millionen Euro im Jahr das 135-fache eines
Lokführers kassiert – ist nichts anderes zu erwarten.
Doch dass die Führung einer Gewerkschaft wie Transnet ins gleiche Horn
bläst und quasi die Millionenprofite der Bahn als unantastbar erklärt,
ist ein Skandal!
Der Streik ist im Interesse aller Bahn-Beschäftigten
Für die bei Transnet organisierten KollegInnen würde ein Erfolg im
Arbeitskampf die Aussicht auf einen Nachschlag auf den bescheidenen
Transnet-Abschluss eröffnen. Eine solche Klausel enthält der
Tarifvertrag von Transnet und GDBA.
Ein Erfolg hilft jedem Lohnabhängigen
Sollte die GDL mit ihrem Arbeitskampf erfolgreich sein, würde dies die
Stellung aller Beschäftigten in kommenden Auseinandersetzungen stärken.
Denn ein Sieg wäre eine Ermutigung und würde die Lohnverzichts-Politik
der DGB-Spitze in Frage stellen.
Streikrecht verteidigen
Bis zum Redaktionsschluss galt noch immer das Chemnitzer Urteil, Streiks
im Fern- und Güterverkehr zu verbieten, da sie unverhältnismäßig hohen
wirtschaftlichen Schaden anrichten würden. Dabei geht es bei einem
Streik darum, den Arbeitgebern weh zu tun. Eine solche Rechtssprechung
bedroht das Streikrecht. In Zukunft könnten auch IG Metall und ver.di
betroffen sein, wenn sie VW oder die Häfen bestreiken wollen.
Bahn-Privatisierung stoppen
Die Bahn soll verscherbelt werden. 180 Milliarden Euro Staatsvermögen
sollen für 20 Milliarden an die Börse. Auch deshalb will man, dass
Eisenbahner wenig verdienen. Bei einem Sieg der Lokführer würde die Bahn
auch an der Privatisierungsfront einen empfindlichen Rückschlag
erleiden. Ein von der Belegschaft erfolgreich geführter Arbeitskampf
steigert nicht den Börsenwert eines Unternehmens.
Die Lokführer brauchen unsere Solidarität – in Form von Solierklärungen,
Besuch von Streikposten, Öffentlichkeitsarbeit und Druck auf die anderen
Gewerkschaften, Proteste gegen Mehdorn und Co. zu organisieren.
[Druckversion]
|