Krankenhäuser: Sofort 100.000 Stellen mehr in den Kliniken!
[Druckversion] Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung, Nr. 72, September 08, Krankenhäuser für alle statt Profitmedizin für wenige, veröffentlicht: 21.09.2008
Bundesweite Demonstration am 25. September in Berlin
Während die Zahl der voll stationären Behandlungen im
Gesundheitswesen von 1995 bis 2006 um 12,5 Prozent anstieg, vernichteten
die Arbeitgeber über 115.000 Arbeitsplätze. Das bedeutet für die
KollegInnen gesteigerte Arbeitshetze. Die Zahl der zu versorgenden Fälle
stieg pro Vollzeitkraft um 25 Prozent!
von Johannes Burczyk, Berlin
Leidtragende sind auch die PatientInnen. Die durchschnittliche Liegezeit
in der Akutversorgung ist auf 8,6 Tage gesenkt worden. „Blutige
Entlassungen“, vorzeitige Entlassungen aus dem Krankenhaus, sind die
Folge.
Die Infrastruktur in vielen Kliniken ist marode. Über Jahre wurde zu
wenig investiert. Dafür schieben sich Bundes- und Landesregierungen
gegenseitig die Schuld zu. Die nun geplante Einführung des
Gesundheitsfonds 2009 bedeutet für ArbeitnehmerInnen steigende Beiträge.
Die Beiträge der Arbeitgeber werden eingefroren.
Im Kapitalismus ist auch die Gesundheit der Menschen eine Ware.
Mittlerweile gehört jedes vierte Krankenhaus in Deutschland, insgesamt
über 500, einem der vier großen Krankenhauskonzerne. Durch
Lohnsenkungen, Ausgliederungen und Personalabbau machten sie aus
Krankenhäusern Profitcenter.
Stattdessen brauchen wir ein bedarfsorientiertes Gesundheitswesen.
Überfällige Investitionen müssen getätigt werden. Das erfordert 50
Milliarden Euro. Um die Personalnot zu lindern, ist die sofortige
Schaffung von 100.000 Stellen im Pflegebereich notwendig. Dafür sind
vier Milliarden Euro jährlich nötig. Würden die Konzerne und Reichen in
diesem Land noch genauso besteuert werden wie im Jahr 2000, gäbe es
allein dadurch 60 Milliarden Euro mehr in den öffentlichen Kassen.
Durch Appelle an die Herrschenden und gut gemeinte Postkartenaktionen
ändert sich nichts. Notwendig ist eine entschlossene Kampagne von
ver.di, die auf Streiks und Massenmobilisierungen setzt. Die Partei DIE
LINKE kann eine zentrale Rolle dabei spielen, solch eine Kampagne zu
unterstützen. Die bundesweite Demonstration am 25. September, zu der
ver.di und Krankenhausträger aufrufen, muss für die Gewerkschaften der
Auftakt sein, den Kampf gegen Kahlschlag und Profitstreben im
Gesundheitssektor aufzunehmen (siehe "Notstand
in den Krankenhäusern stoppen").
Forderungen der SAV:
Weg mit Budgetdeckeln und Fallpauschalen – für eine
bedarfsgerechte Finanzierung
Nein zum Gesundheitsfonds. Keine Erhöhung der
Krankenkassenbeiträge für abhängig Beschäftigte
Für ein Sofortprogramm der Bundesregierung zur Neueinstellung von
100.000 Krankenhaus-Beschäftigten
Zur Behebung des Investitionsstaus von 50 Milliarden Euro muss ein
Fünfjahresprogramm, finanziert durch die Länder, von je zehn Milliarden
aufgelegt werden
Keine weiteren Privatisierungen. Rücküberführung aller
privatisierten Krankenhäuser in öffentliches Eigentum
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