Gesundheit: Ulla Schmidt plant weitere Verschlechterungen
[Druckversion] Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung · Nr. 73 · Oktober 08, Gesundheit, Deutschland: Politik allgemein, veröffentlicht: 13.10.2008
Der neue Gesetzesentwurf für das Gesundheitssystem verheißt nichts Gutes
Das Gesundheitswesen ist chronisch unterfinanziert. Laut ver.di
beläuft sich der angelaufene Investitionsstau mittlerweile auf über 50
Milliarden Euro. Diese Summe, die sofort nötig wäre, um die
Infrastruktur im Gesundheitswesen zu erhalten und auszubauen, wird weder
vom Bund noch von den Ländern bereitgestellt.
von Johannes Burczyk, Berlin
Eine Ursache der Unterfinanzierung ist der „Budgetdeckel“, der die
staatlichen Zuwendungen fest an die Grundlohnsummensteigerung koppelt.
Jedes Jahr legt die Regierung fest, wie stark die Budgets der Kliniken
steigen dürfen. Für das Jahr 2007 bedeutete das ein Plus von gerade
einmal 0,64 Prozent. Diese lächerliche Erhöhung wurde schon von der
dreiprozentigen Mehrwertsteueranhebung aufgefressen.
Der Deckel muss weg!
Leidtragende sind, neben den Kassenpatienten, die Beschäftigten. Die
ver.di-Betriebsgruppe des Klinikums Stuttgart schrieb dazu:
„Stellenstreichungen, Tarifbruch und seit Jahren sinkende Reallöhne sind
zum „Leitbild“ in einer Krankenhauslandschaft geworden, die systematisch
und politisch gewollt unterfinanziert wird. Die Beschäftigten können ein
Lied davon singen.“
Der vorliegende Gesetzesentwurf von Ministerin Ulla Schmidt (SPD) zur
zukünftigen Krankenhausfinanzierung wird das Problem nicht lösen. Der
„Budgetdeckel“ soll bleiben, von einer bedarfsorientierten Finanzierung,
in der das Wohl von Patienten und Beschäftigten im Mittelpunkt steht und
nicht die Unterwerfung unter selbstgeschaffene Sachzwänge, ist keine
Rede.
Großzügig wird die Schaffung von 21.000 Stellen in „besonders belasteten
Bereichen“ in Aussicht gestellt. Das ist gerade einmal ein Fünftel der
in den letzten zehn Jahren vernichteten Stellen allein im Pflegebereich.
Dieses Angebot reicht hinten und vorne nicht – gerade wenn man bedenkt,
dass es heute rund eine Million PatientInnen mehr gibt.
Fallpauschalen
Eine weitere Verschärfung droht durch die Ausweitung des Systems der
Fallpauschalen (DRG’s) auf die Psychiatrie. Die Einführung der
Fallpauschalen bedeutete, dass pro Behandlungsfall nur noch eine
pauschale Summe an die Kliniken erstattet wurde, unabhängig von den
tatsächlich entstehenden Kosten – was einen ökonomischen Anreiz für die
möglichst schnelle Entlassung von PatientInnen darstellt. Dieses System
trotz der schlechten Erfahrungen auch noch auszuweiten, ist ein Skandal.
Die Ausbeutung von Krankheiten für den Profit wird zum allgemeinen
Prinzip erhoben.
Der gesamte Gesetzesentwurf ist ein Angriff auf die Beschäftigten und
PatientInnen. Er kann nur zurückgeschlagen werden durch eine bundesweite
Kampagne von ver.di, die auf Streiks und die Mobilisierung der
PatientInnen setzt. Die Demonstration vom 25. September zeigt, dass die
Beschäftigten bereit sind, sich zu wehren.
Forderungen der SAV:
Für die sofortige Schaffung von 100.000 Stellen in den
Krankenhäusern und einen Tarifvertrag zur Personalbemessung
Weg mit Budgetdeckeln und Fallpauschalen
Nein zum Gesundheitsfonds. Keine Erhöhung der
Krankenkassenbeiträge für abhängig Beschäftigte
Massive Erhöhung der staatlichen Gelder fürs Gesundheitswesen.
Finanziert durch eine drastische Besteuerung von Gewinnen, Vermögen und
Einkommen
Keine weiteren Privatisierungen. Rücküberführung aller
privatisierten Krankenhäuser in öffentliches Eigentum
Treffen von Aktiven im Gesundheitswesen
Das Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di
organisiert am 1. November an der Universität Kassel ein bundesweites
Treffen. Dort sollen gemeinsame Initiativen von der Basis und in den
Kliniken besprochen werden.
www.netzwerk-verdi.de
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