Solidaritätserklärung an die Daimler-Belegschaft
[Druckversion] Thema: Autoindustrie, Arbeitskämpfe, veröffentlicht: 09.12.2009
beschlossen vom Besetzungsplenum der Universität Stuttgart
Seit Mitte November halten Studierende der Uni Stuttgart einen Hörsaal
besetzt. Das Besetzungsplenum hat am 8. Dezember 2009 eine
Solidaritätserklärung an die Daimler-Belegschaft beschlossen, in der
vorgeschlagen wird, dass Beschäftigte und Studierende gemeinsam auf die
Straße gehen. Die Erklärung
im Wortlaut:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit großer Empörung haben wir von den Plänen des Daimler-Managements
erfahren, die Produktion der C-Klasse aus Sindelfingen weg zu verlagern.
Ebenso groß wie unsere Empörung darüber ist unsere Freude über Eure
Proteste seit letzter Woche dagegen. Besonders wichtig für uns ist, dass
ihr den Erhalt aller Arbeitsplätze fordert. Denn wenn die Konzernleitung
euch verspricht, persönlich Ersatzarbeitsplätze zu erhalten, wären die
Arbeitsplätze für die Beschäftigten von morgen, also für die
SchülerInnen und Studierenden von heute, trotzdem verloren. Deshab
kämpft ihr auch für unsere künftigen Arbeitsplätze und ebenso für den
Erhalt von Praktikaplätzen etc. während unserem Studium.
Wir haben jetzt schon seit über drei Wochen den größten Hörsaal auf dem
Campus Stadtmitte der Uni Stuttgart besetzt. Nach verschiedenen
Bildungsprotesten der letzten Jahre, zuletzt einer Streikwoche im Juni,
sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir neue Aktionsformen entwickeln
müssen, wenn wir Druck zur Erreichung unserer Forderungen machen wollen.
Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir, wenn wir entschlossen
und solidarisch sind und für Ziele einstehen, die die Sympathien der
Öffentlichkeit genießen, auch die wochenlange Duldung von Protestformen
durch die Unileitung erreichen können, die vom Gesetz zumindest nicht
vorgesehen sind.
Wir kämpfen für die Abschaffung aller Studiengebühren, gegen die
Verschlechterung und Verschulung des Studiums durch die Einführung von
Bachelor- und Masterstudiengängen, gegen den Kahlschlag bei den Geistes-
und Sozialwissenschaften und für eine Demokratisierung der Universität.
Zu diesem letzten Punkt gehört auch die Forderung nach der Abschaffung
des Unirats, der vor wenigen Jahren als eine Art Aufsichtsrat und
höchstes Entscheidungsgremium der Uni eingeführt wurde und in dem
mehrheitlich externe Vertreter über das Schicksal der Universität
entscheiden. Zu den Mitgliedern des Unirats gehört auch Dr. Thomas
Weber, Vorstandsmitglied der Daimler AG, und von daher haben wir auch
ganz direkt gemeinsame Gegner.
Die Bewegung der Hörsaalbesetzungen an den Hochschulen begann im Oktober
in Österreich. Dort gab es schon in den ersten Tagen gemeinsame
Demonstrationen mit MetallerInnen, die damals gerade in einer Tarifrunde
standen. Wir würden uns freuen, wenn wir auch hier in der Region
demnächst gemeinsam auf die Straße gehen würden.
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